Eine zuverlässige Absauganlage ist mehr als nur gesetzliche Pflicht – sie schützt Ihre Mitarbeiter und optimiert Ihre Produktion. Dieser Leitfaden führt Sie durch alle Aspekte von der Planung bis zum Betrieb professioneller Absaugsysteme.
Sicherheitshinweise vor Beginn aller Arbeiten
Persönliche Schutzausrüstung (Pflicht):
- Schutzbrille EN 166 bei allen Montagearbeiten
- Atemschutz P2 bei staubbelasteten Arbeiten
- Sicherheitsschuhe S1P (rutschfest, durchtrittsicher)
- Gehörschutz ab 85 dB (Bohrmaschinen, Winkelschleifer)
Elektrische Sicherheit:
- Hauptschalter vor Arbeiten an Absaugern freischalten
- FI-Schutzschalter (30mA) bei allen Elektrowerkzeugen verwenden
- Leitungen vor Bohrungen mit Ortungsgerät prüfen
- Arbeiten an 400V-Anlagen nur durch Elektrofachkraft
Arbeitsplatz-Sicherheit:
- Arbeitsbereich absperren und kennzeichnen
- Fluchtwege freihalten (mindestens 1,2m breit)
- Bei Arbeiten über 2m Höhe: Gerüst oder Hubarbeitsbühne verwenden
- Erste-Hilfe-Ausrüstung bereithalten
1. Systemplanung: Grundlagen und Berechnungen
Schritt 1: Bedarfsermittlung durchführen
Maschinenerfassung:
- Alle entstaubungspflichtigen Maschinen auflisten
- Staubart bestimmen (Holz, Metall, Kunststoff)
- Anschlussstutzen dokumentieren
- Betriebszeiten erfassen (Gleichzeitigkeitsfaktor)
Räumliche Bedingungen:
- Raumhöhe messen (Mindestabstand zur Decke: 50cm)
- Wandbeschaffenheit prüfen (Tragfähigkeit)
- Elektrische Versorgung lokalisieren
- Zugang für Wartung sicherstellen
Schritt 2: Volumenstrom berechnen
Korrekte Formel für Luftvolumenstrom:
Q = (V × A × 3600) / 1000- Q = Luftvolumenstrom (m³/h)
- V = Luftgeschwindigkeit (m/s)
- A = Rohrquerschnittsfläche (m²)
- 3600 = Umrechnung Sekunden zu Stunden
- 1000 = Umrechnung Liter zu Kubikmeter
Transportgeschwindigkeiten nach Material:
Holzbearbeitung (erhöhte Sicherheitsanforderungen):
- Holzstaub und Späne: 20-25 m/s
- Grund: Explosionsschutz und Sedimentvermeidung
- Bei Transportwegen >10m: +10% Geschwindigkeit
Metallbearbeitung:
- Leichte Metallpartikel: 18-20 m/s
- Schwere Metallstäube: 22-25 m/s
- Schweißrauch: 12-15 m/s
- Funkenschutz zwingend erforderlich
Kunststoffverarbeitung:
- Standard Kunststoffstaub: 18-20 m/s
- Antistatische Ausrüstung obligatorisch
- Explosionsschutz nach ATEX erforderlich
Praxisbeispiel Schreinerei (8 Maschinen):
- Formatkreissäge: 1.800 m³/h
- Abricht-/Dickenhobel: 2.200 m³/h
- Bandsäge: 1.200 m³/h
- Langlochbohrmaschine: 800 m³/h
- Kantenschleifer: 1.000 m³/h
- 3× Handmaschinenanschlüsse: 1.800 m³/h
- Summe: 8.800 m³/h
- Mit Gleichzeitigkeitsfaktor 0,8: 7.040 m³/h benötigt
Schritt 3: Druckverluste systematisch ermitteln
Systemwiderstände berechnen:
Rohrleitungen (pro Meter):
- DN 100: 0,8-1,2 Pa/m
- DN 125: 0,6-1,0 Pa/m
- DN 150: 0,4-0,8 Pa/m
- DN 200: 0,3-0,6 Pa/m
Formstücke (Einzelwiderstände):
- Bogen 90° (R=1,5×D): 25-35 Pa
- Y-Abzweig 45°: 20-30 Pa
- Reduzierstück: 15-25 Pa
- Klappe/Schieber (offen): 10-20 Pa
Praxisberechnung für 25m Anlage:
- 25m Rohr DN150: 25 × 0,6 Pa/m = 15 Pa
- 4× Bogen 90°: 4 × 30 Pa = 120 Pa
- 3× Y-Abzweig: 3 × 25 Pa = 75 Pa
- 3× Klappe: 3 × 15 Pa = 45 Pa
- Filter (sauber): 300 Pa
- Grundwiderstand: 555 Pa
- Mit 50% Sicherheitsreserve: 833 Pa Gesamtdruck
2. Rechtliche Anforderungen und Normen
TRGS 553 – Holzstaubschutz (Verschärfung 2022)
Neue Grenzwerte bindend seit 1.1.2019:
- Hartholzstaub: 1,25 mg/m³ (40h-Woche)
- Weichholzstaub: 2,0 mg/m³ (40h-Woche)
- Mischstäub: strengerer Wert gilt
Arbeitgeberpflichten:
- Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 erstellen
- Technische Schutzmaßnahmen umsetzen (Absaugung)
- Luftqualität alle 3 Jahre messen lassen
- Mitarbeiter jährlich unterweisen
- Arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (ab 0,5 mg/m³)
Bei Überschreitung der Grenzwerte:
- Sofortige Arbeitseinstellung
- Ursachenanalyse durchführen
- Schutzmaßnahmen nachrüsten
- Behördenmeldung erforderlich
DIN EN 12779:2016-03 – Holzbearbeitungsmaschinen
Pflichtanforderungen:
- CE-Kennzeichnung für alle Anlagenteile
- Explosionsschutz nach EN 1127-1:2011
- Performance Level PLd für Sicherheitssteuerungen
- Brandschutzsystem ab 40.000 m³/h Volumenstrom
Dokumentationspflicht:
- Konformitätserklärung
- Bedienungsanleitung in deutscher Sprache
- Wartungsprotokoll führen
- Prüfbuch für wiederkehrende Prüfungen
ATEX-Zoneneinteilung verstehen
Einteilung nach Explosionsrisiko:
- Zone 20: Ständig explosionsfähige Atmosphäre → Geräte Kategorie 1D
- Zone 21: Gelegentlich explosionsfähig → Geräte Kategorie 2D
- Zone 22: Selten explosionsfähig → Geräte Kategorie 3D
Faustregel Holzbearbeitung:
- Filtergehäuse: meist Zone 21
- Sammelbehälter: immer Zone 20
- Rohrleitungen: Zone 22
3. Materialauswahl: Bördel-Rohre und Verbindungssysteme
Warum Bördel-Rohre die beste Wahl sind
Technische Vorteile:
- 100% dichte Verbindung durch maschinell aufgeweitete Enden
- Mechanische Sicherheit – Schläuche können nicht abrutschen
- Schnelle Montage ohne Schweißarbeiten
- Verschleißfeste Kanten durch Bördelvorgang
Verfügbare Spezifikationen:
- Durchmesser: 50mm bis 630mm
- Wandstärken: 0,7mm bis 2,0mm
- Material: Verzinkter Stahl nach DIN EN 10346
- Sonderlängen bis 6m verfügbar
Verbindungssysteme im Vergleich
JACOB-Rohrsystem (Europastandard):
- Schnellverbindung mit Zugring-Mechanismus
- Druckbelastung bis 3 bar
- Einfache Demontage für Wartung
- Dichtungen austauschbar
Nordfab Quick-Fit System:
- Laser-verschweißte Präzisionsverbindungen
- Montage ohne Werkzeug in 30 Sekunden
- Unterdruckbereich -500 bis -10.500 Pa
- Selbstzentrierende Verbindung
4. Fachgerechte Installation
Sicherheit bei der Installation
Vor Montagebeginn:
- Arbeitserlaubnis einholen bei laufendem Betrieb
- Brandschutz informieren (Schweißarbeiten)
- Krankenhaus und Notarzt-Rufnummern bereithalten
- Rettungsweg für Höhenarbeiten planen
Elektrische Sicherheit:
- Spannungsfreiheit feststellen und sicherstellen
- Nur Elektrofachkraft arbeitet an Steuerungen
- Potentialausgleich vor Inbetriebnahme prüfen
- DGUV V3 Prüfung nach Installation
Installationsreihenfolge für maximale Sicherheit
Phase 1: Vorbereitung (Tag 1)
- Arbeitsbereich sichern und absperren
- Material auf Vollständigkeit prüfen
- Werkzeug funktionstesten
- Hilfskonstruktionen aufbauen
Phase 2: Hauptleitungen (Tag 2)
- Absauger positionieren und ausrichten
- Hauptleitungen nach Berechnungen verlegen
- Befestigungspunkte alle 1,5m setzen
- Dichtigkeitsprüfung mit Rauchpatronen
Phase 3: Abzweigungen (Tag 3)
- Y-Stücke strömungstechnisch optimal einbauen
- Absperrschieber in Bedienungshöhe 120-150cm
- Flexible Anschlüsse zu Maschinen herstellen
- Alle Verbindungen auf Festsitz prüfen
Kritische Installationsfehler vermeiden
Häufige Fehlerquellen:
- Undichte Verbindungen: Jede Leckage kostet 5-15% Leistung
- Scharfe Umlenkungen: 90°-Bögen ohne Radius verdoppeln Druckverlust
- Falsche Rohrdurchmesser: Zu klein = Verstopfung, zu groß = Sedimentation
- Fehlende Gefälle: Mindestens 1% zum Sammelpunkt
Qualitätskontrolle:
- Rauchtest an allen Verbindungen
- Druckmessung an 5 Punkten im System
- Volumenstrom-Messung an jeder Maschine
- Protokoll für Abnahme erstellen
5. Betrieb und Wartung
Sicherheitsprotokoll für Wartungsarbeiten
Vor jeder Wartung (Lockout/Tagout):
- Anlage über Hauptschalter abschalten
- Gegen Wiedereinschalten sichern (Vorhängeschloss)
- Spannungsfreiheit mit Messgerät prüfen
- Warnschilder „Wartung – nicht einschalten“ anbringen
- Restenergie ableiten (Kondensatoren)
Arbeiten im Sammelbehälter:
- Explosionsmessgerät verwenden
- Nur bei Sauerstoffgehalt >19% betreten
- Sicherungsposten außerhalb positionieren
- Atemschutzgerät bereithalten
Wartungsplan für maximale Betriebssicherheit
Täglich (5 Minuten):
- Sichtprüfung auf Staubansammlungen
- Betriebsgeräusche bewerten (Referenzwerte dokumentiert)
- Sammelbehälter-Füllstand unter 70% halten
- Differenzdruckanzeige ablesen
Wöchentlich (20 Minuten):
- Filterabreinigung manuell auslösen
- Absperrschieber auf Funktion prüfen
- Rohrbefestigungen auf festen Sitz kontrollieren
- Vibrationen an Ventilator messen
Monatlich (2 Stunden):
- Filter wechseln bei >300 Pa Differenzdruck
- Alle Spannschellen nachziehen (15-20 Nm)
- Dichtungen auf Risse und Verschleiß inspizieren
- Sicherheitssysteme funktionstest
Jährlich (8 Stunden + Fachfirma):
- Komplette Leistungsmessung durch Sachverständigen
- Professionelle Rohrreinigung
- Elektrische Prüfung nach DGUV V3
- Explosionsschutz-Prüfung nach BetrSichV
Störungsbeseitigung und Notfallprozeduren
Problem: Plötzlicher Leistungsabfall
Sofortmaßnahmen:
- Anlage sicher abschalten
- Ursache lokalisieren (meist Verstopfung)
- Nicht mit Druckluft „ausblasen“ – Staubwolke!
- Mechanische Reinigung von außen
Systematische Fehlersuche:
- Filter prüfen (>500 Pa = tauschen)
- Sammelbehälter leeren
- Rohrleitungen von Absauger aus rückwärts prüfen
- Maschinenabgänge einzeln testen
Notfall: Brandgeruch oder Funken
Sofortiges Vorgehen:
- NOT-AUS betätigen
- Brandmeldeanlage auslösen
- Bereich räumen
- Feuerwehr alarmieren (112)
- Nachbarn warnen bei Brandgefahr
Dokumentation nach Störung:
- Störungsursache dokumentieren
- Reparaturmaßnahmen protokollieren
- Präventivmaßnahmen definieren
- Mitarbeiter über Änderungen informieren
6. Kosten und Wirtschaftlichkeit
Realistische Investitionskosten (Stand 2025)
Komplettanlage für 8 Maschinen:
- Absauger 7.500 m³/h: 15.000-25.000€
- Rohrleitungen (80m): 3.000-5.000€
- Verbindungstechnik: 2.000-3.500€
- Absperrschieber (8 Stück): 1.600-2.400€
- Installation durch Fachfirma: 8.000-12.000€
- Gesamtinvestition: 29.600-47.900€
Betriebskosten jährlich:
- Stromverbrauch (11 kW, 2.000h): 4.400€
- Filterwechsel: 800-1.200€
- Wartung und Inspektion: 1.500-2.500€
- Jährliche Betriebskosten: 6.700-8.100€
Energieeffizienz-Maßnahmen mit nachgewiesenen Einsparungen
Frequenzumrichter (dokumentierte Einsparung):
- Investition: 2.500-4.000€
- Energieeinsparung: 1.500-2.200€/Jahr
- Amortisation: 14-18 Monate
- Zusatznutzen: 50% längere Motorlebensdauer
Intelligente Steuerung:
- Bedarfsgerechte Regelung spart 25-35% Energie
- Automatische Klappensteuerung verhindert Leckagen
- Differenzdrucküberwachung warnt vor Filterwechsel
Fördermöglichkeiten nutzen
Bundesförderung für Energieeffizienz (BAFA):
- Bis zu 40% Förderung bei Anlagenerneuerung
- Mindestenergieeinsparung 20% nachzuweisen
- Antrag vor Umsetzungsbeginn stellen
Berufsgenossenschaft Holz und Metall:
- Bis zu 50% Zuschuss bei Grenzwertunterschreitung
- Arbeitsschutz-Prämien für vorzeitige Umsetzung
- Beratung kostenlos
7. Zukunftssichere Technologien
Industrie 4.0 Integration
IoT-Sensorik für vorausschauende Wartung:
- Vibrationssensoren erkennen Lagerschäden 6 Monate früher
- Drucksensoren melden Filterverschmutzung automatisch
- Stromaufnahme-Monitoring zeigt Systemverschleiß
Digitale Dokumentation:
- Wartungsprotokolle automatisch erstellt
- Compliance-Nachweise jederzeit abrufbar
- Integration in bestehende ERP-Systeme möglich
Nachhaltigkeits-Aspekte
Kreislaufwirtschaft:
- Holzstaub als Brennstoff nutzen (4,5 kWh/kg)
- Metallspäne sortenrein recyceln
- Filter aus recycelbaren Materialien
CO₂-Bilanz verbessern:
- Energieeffiziente Antriebe reduzieren Emissionen
- Lokale Staubnutzung vermeidet Transportemissionen
- Längere Anlagenlebensdauer durch bessere Wartung
Fazit: Investition in Sicherheit und Zukunft
Eine professionell geplante und installierte Absauganlage bietet:
Kurzfristige Vorteile:
- Sofortige Grenzwerteinhaltung
- Reduzierte Reinigungskosten
- Verbesserte Arbeitsplatzbedingungen
Langfristige Vorteile:
- Rechtssicherheit bei Kontrollen
- Geringere Krankheitskosten
- Höhere Mitarbeiterzufriedenheit
- Wertsteigerung der Betriebsimmobilie
Nächste Schritte:
- Kostenlose Bedarfsanalyse durchführen lassen
- Mindestens 3 Vergleichsangebote einholen
- Referenzen der Anbieter prüfen
- Wartungsvertrag von Anfang an mitplanen
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