Absauganlangen mit bordel-rohren

Absauganlagen mit Bördel-Rohren: Kompletter Leitfaden 2025

Eine zuverlässige Absauganlage ist mehr als nur gesetzliche Pflicht – sie schützt Ihre Mitarbeiter und optimiert Ihre Produktion. Dieser Leitfaden führt Sie durch alle Aspekte von der Planung bis zum Betrieb professioneller Absaugsysteme.

Sicherheitshinweise vor Beginn aller Arbeiten

Persönliche Schutzausrüstung (Pflicht):

  • Schutzbrille EN 166 bei allen Montagearbeiten
  • Atemschutz P2 bei staubbelasteten Arbeiten
  • Sicherheitsschuhe S1P (rutschfest, durchtrittsicher)
  • Gehörschutz ab 85 dB (Bohrmaschinen, Winkelschleifer)

Elektrische Sicherheit:

  • Hauptschalter vor Arbeiten an Absaugern freischalten
  • FI-Schutzschalter (30mA) bei allen Elektrowerkzeugen verwenden
  • Leitungen vor Bohrungen mit Ortungsgerät prüfen
  • Arbeiten an 400V-Anlagen nur durch Elektrofachkraft

Arbeitsplatz-Sicherheit:

  • Arbeitsbereich absperren und kennzeichnen
  • Fluchtwege freihalten (mindestens 1,2m breit)
  • Bei Arbeiten über 2m Höhe: Gerüst oder Hubarbeitsbühne verwenden
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung bereithalten

1. Systemplanung: Grundlagen und Berechnungen

Schritt 1: Bedarfsermittlung durchführen

Maschinenerfassung:

  • Alle entstaubungspflichtigen Maschinen auflisten
  • Staubart bestimmen (Holz, Metall, Kunststoff)
  • Anschlussstutzen dokumentieren
  • Betriebszeiten erfassen (Gleichzeitigkeitsfaktor)

Räumliche Bedingungen:

  • Raumhöhe messen (Mindestabstand zur Decke: 50cm)
  • Wandbeschaffenheit prüfen (Tragfähigkeit)
  • Elektrische Versorgung lokalisieren
  • Zugang für Wartung sicherstellen

Schritt 2: Volumenstrom berechnen

Korrekte Formel für Luftvolumenstrom:

Q = (V × A × 3600) / 1000
  • Q = Luftvolumenstrom (m³/h)
  • V = Luftgeschwindigkeit (m/s)
  • A = Rohrquerschnittsfläche (m²)
  • 3600 = Umrechnung Sekunden zu Stunden
  • 1000 = Umrechnung Liter zu Kubikmeter

Transportgeschwindigkeiten nach Material:

Holzbearbeitung (erhöhte Sicherheitsanforderungen):

  • Holzstaub und Späne: 20-25 m/s
  • Grund: Explosionsschutz und Sedimentvermeidung
  • Bei Transportwegen >10m: +10% Geschwindigkeit

Metallbearbeitung:

  • Leichte Metallpartikel: 18-20 m/s
  • Schwere Metallstäube: 22-25 m/s
  • Schweißrauch: 12-15 m/s
  • Funkenschutz zwingend erforderlich

Kunststoffverarbeitung:

  • Standard Kunststoffstaub: 18-20 m/s
  • Antistatische Ausrüstung obligatorisch
  • Explosionsschutz nach ATEX erforderlich

Praxisbeispiel Schreinerei (8 Maschinen):

  • Formatkreissäge: 1.800 m³/h
  • Abricht-/Dickenhobel: 2.200 m³/h
  • Bandsäge: 1.200 m³/h
  • Langlochbohrmaschine: 800 m³/h
  • Kantenschleifer: 1.000 m³/h
  • 3× Handmaschinenanschlüsse: 1.800 m³/h
  • Summe: 8.800 m³/h
  • Mit Gleichzeitigkeitsfaktor 0,8: 7.040 m³/h benötigt

Schritt 3: Druckverluste systematisch ermitteln

Systemwiderstände berechnen:

Rohrleitungen (pro Meter):

  • DN 100: 0,8-1,2 Pa/m
  • DN 125: 0,6-1,0 Pa/m
  • DN 150: 0,4-0,8 Pa/m
  • DN 200: 0,3-0,6 Pa/m

Formstücke (Einzelwiderstände):

  • Bogen 90° (R=1,5×D): 25-35 Pa
  • Y-Abzweig 45°: 20-30 Pa
  • Reduzierstück: 15-25 Pa
  • Klappe/Schieber (offen): 10-20 Pa

Praxisberechnung für 25m Anlage:

  • 25m Rohr DN150: 25 × 0,6 Pa/m = 15 Pa
  • 4× Bogen 90°: 4 × 30 Pa = 120 Pa
  • 3× Y-Abzweig: 3 × 25 Pa = 75 Pa
  • 3× Klappe: 3 × 15 Pa = 45 Pa
  • Filter (sauber): 300 Pa
  • Grundwiderstand: 555 Pa
  • Mit 50% Sicherheitsreserve: 833 Pa Gesamtdruck

2. Rechtliche Anforderungen und Normen

TRGS 553 – Holzstaubschutz (Verschärfung 2022)

Neue Grenzwerte bindend seit 1.1.2019:

  • Hartholzstaub: 1,25 mg/m³ (40h-Woche)
  • Weichholzstaub: 2,0 mg/m³ (40h-Woche)
  • Mischstäub: strengerer Wert gilt

Arbeitgeberpflichten:

  1. Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 erstellen
  2. Technische Schutzmaßnahmen umsetzen (Absaugung)
  3. Luftqualität alle 3 Jahre messen lassen
  4. Mitarbeiter jährlich unterweisen
  5. Arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (ab 0,5 mg/m³)

Bei Überschreitung der Grenzwerte:

  • Sofortige Arbeitseinstellung
  • Ursachenanalyse durchführen
  • Schutzmaßnahmen nachrüsten
  • Behördenmeldung erforderlich

DIN EN 12779:2016-03 – Holzbearbeitungsmaschinen

Pflichtanforderungen:

  • CE-Kennzeichnung für alle Anlagenteile
  • Explosionsschutz nach EN 1127-1:2011
  • Performance Level PLd für Sicherheitssteuerungen
  • Brandschutzsystem ab 40.000 m³/h Volumenstrom

Dokumentationspflicht:

  • Konformitätserklärung
  • Bedienungsanleitung in deutscher Sprache
  • Wartungsprotokoll führen
  • Prüfbuch für wiederkehrende Prüfungen

ATEX-Zoneneinteilung verstehen

Einteilung nach Explosionsrisiko:

  • Zone 20: Ständig explosionsfähige Atmosphäre → Geräte Kategorie 1D
  • Zone 21: Gelegentlich explosionsfähig → Geräte Kategorie 2D
  • Zone 22: Selten explosionsfähig → Geräte Kategorie 3D

Faustregel Holzbearbeitung:

  • Filtergehäuse: meist Zone 21
  • Sammelbehälter: immer Zone 20
  • Rohrleitungen: Zone 22

3. Materialauswahl: Bördel-Rohre und Verbindungssysteme

Warum Bördel-Rohre die beste Wahl sind

Technische Vorteile:

  • 100% dichte Verbindung durch maschinell aufgeweitete Enden
  • Mechanische Sicherheit – Schläuche können nicht abrutschen
  • Schnelle Montage ohne Schweißarbeiten
  • Verschleißfeste Kanten durch Bördelvorgang

Verfügbare Spezifikationen:

  • Durchmesser: 50mm bis 630mm
  • Wandstärken: 0,7mm bis 2,0mm
  • Material: Verzinkter Stahl nach DIN EN 10346
  • Sonderlängen bis 6m verfügbar

Verbindungssysteme im Vergleich

JACOB-Rohrsystem (Europastandard):

  • Schnellverbindung mit Zugring-Mechanismus
  • Druckbelastung bis 3 bar
  • Einfache Demontage für Wartung
  • Dichtungen austauschbar

Nordfab Quick-Fit System:

  • Laser-verschweißte Präzisionsverbindungen
  • Montage ohne Werkzeug in 30 Sekunden
  • Unterdruckbereich -500 bis -10.500 Pa
  • Selbstzentrierende Verbindung

4. Fachgerechte Installation

Sicherheit bei der Installation

Vor Montagebeginn:

  • Arbeitserlaubnis einholen bei laufendem Betrieb
  • Brandschutz informieren (Schweißarbeiten)
  • Krankenhaus und Notarzt-Rufnummern bereithalten
  • Rettungsweg für Höhenarbeiten planen

Elektrische Sicherheit:

  • Spannungsfreiheit feststellen und sicherstellen
  • Nur Elektrofachkraft arbeitet an Steuerungen
  • Potentialausgleich vor Inbetriebnahme prüfen
  • DGUV V3 Prüfung nach Installation

Installationsreihenfolge für maximale Sicherheit

Phase 1: Vorbereitung (Tag 1)

  1. Arbeitsbereich sichern und absperren
  2. Material auf Vollständigkeit prüfen
  3. Werkzeug funktionstesten
  4. Hilfskonstruktionen aufbauen

Phase 2: Hauptleitungen (Tag 2)

  1. Absauger positionieren und ausrichten
  2. Hauptleitungen nach Berechnungen verlegen
  3. Befestigungspunkte alle 1,5m setzen
  4. Dichtigkeitsprüfung mit Rauchpatronen

Phase 3: Abzweigungen (Tag 3)

  1. Y-Stücke strömungstechnisch optimal einbauen
  2. Absperrschieber in Bedienungshöhe 120-150cm
  3. Flexible Anschlüsse zu Maschinen herstellen
  4. Alle Verbindungen auf Festsitz prüfen

Kritische Installationsfehler vermeiden

Häufige Fehlerquellen:

  • Undichte Verbindungen: Jede Leckage kostet 5-15% Leistung
  • Scharfe Umlenkungen: 90°-Bögen ohne Radius verdoppeln Druckverlust
  • Falsche Rohrdurchmesser: Zu klein = Verstopfung, zu groß = Sedimentation
  • Fehlende Gefälle: Mindestens 1% zum Sammelpunkt

Qualitätskontrolle:

  • Rauchtest an allen Verbindungen
  • Druckmessung an 5 Punkten im System
  • Volumenstrom-Messung an jeder Maschine
  • Protokoll für Abnahme erstellen

5. Betrieb und Wartung

Sicherheitsprotokoll für Wartungsarbeiten

Vor jeder Wartung (Lockout/Tagout):

  1. Anlage über Hauptschalter abschalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern (Vorhängeschloss)
  3. Spannungsfreiheit mit Messgerät prüfen
  4. Warnschilder „Wartung – nicht einschalten“ anbringen
  5. Restenergie ableiten (Kondensatoren)

Arbeiten im Sammelbehälter:

  • Explosionsmessgerät verwenden
  • Nur bei Sauerstoffgehalt >19% betreten
  • Sicherungsposten außerhalb positionieren
  • Atemschutzgerät bereithalten

Wartungsplan für maximale Betriebssicherheit

Täglich (5 Minuten):

  • Sichtprüfung auf Staubansammlungen
  • Betriebsgeräusche bewerten (Referenzwerte dokumentiert)
  • Sammelbehälter-Füllstand unter 70% halten
  • Differenzdruckanzeige ablesen

Wöchentlich (20 Minuten):

  • Filterabreinigung manuell auslösen
  • Absperrschieber auf Funktion prüfen
  • Rohrbefestigungen auf festen Sitz kontrollieren
  • Vibrationen an Ventilator messen

Monatlich (2 Stunden):

  • Filter wechseln bei >300 Pa Differenzdruck
  • Alle Spannschellen nachziehen (15-20 Nm)
  • Dichtungen auf Risse und Verschleiß inspizieren
  • Sicherheitssysteme funktionstest

Jährlich (8 Stunden + Fachfirma):

  • Komplette Leistungsmessung durch Sachverständigen
  • Professionelle Rohrreinigung
  • Elektrische Prüfung nach DGUV V3
  • Explosionsschutz-Prüfung nach BetrSichV

Störungsbeseitigung und Notfallprozeduren

Problem: Plötzlicher Leistungsabfall

Sofortmaßnahmen:

  1. Anlage sicher abschalten
  2. Ursache lokalisieren (meist Verstopfung)
  3. Nicht mit Druckluft „ausblasen“ – Staubwolke!
  4. Mechanische Reinigung von außen

Systematische Fehlersuche:

  1. Filter prüfen (>500 Pa = tauschen)
  2. Sammelbehälter leeren
  3. Rohrleitungen von Absauger aus rückwärts prüfen
  4. Maschinenabgänge einzeln testen

Notfall: Brandgeruch oder Funken

Sofortiges Vorgehen:

  1. NOT-AUS betätigen
  2. Brandmeldeanlage auslösen
  3. Bereich räumen
  4. Feuerwehr alarmieren (112)
  5. Nachbarn warnen bei Brandgefahr

Dokumentation nach Störung:

  • Störungsursache dokumentieren
  • Reparaturmaßnahmen protokollieren
  • Präventivmaßnahmen definieren
  • Mitarbeiter über Änderungen informieren

6. Kosten und Wirtschaftlichkeit

Realistische Investitionskosten (Stand 2025)

Komplettanlage für 8 Maschinen:

  • Absauger 7.500 m³/h: 15.000-25.000€
  • Rohrleitungen (80m): 3.000-5.000€
  • Verbindungstechnik: 2.000-3.500€
  • Absperrschieber (8 Stück): 1.600-2.400€
  • Installation durch Fachfirma: 8.000-12.000€
  • Gesamtinvestition: 29.600-47.900€

Betriebskosten jährlich:

  • Stromverbrauch (11 kW, 2.000h): 4.400€
  • Filterwechsel: 800-1.200€
  • Wartung und Inspektion: 1.500-2.500€
  • Jährliche Betriebskosten: 6.700-8.100€

Energieeffizienz-Maßnahmen mit nachgewiesenen Einsparungen

Frequenzumrichter (dokumentierte Einsparung):

  • Investition: 2.500-4.000€
  • Energieeinsparung: 1.500-2.200€/Jahr
  • Amortisation: 14-18 Monate
  • Zusatznutzen: 50% längere Motorlebensdauer

Intelligente Steuerung:

  • Bedarfsgerechte Regelung spart 25-35% Energie
  • Automatische Klappensteuerung verhindert Leckagen
  • Differenzdrucküberwachung warnt vor Filterwechsel

Fördermöglichkeiten nutzen

Bundesförderung für Energieeffizienz (BAFA):

  • Bis zu 40% Förderung bei Anlagenerneuerung
  • Mindestenergieeinsparung 20% nachzuweisen
  • Antrag vor Umsetzungsbeginn stellen

Berufsgenossenschaft Holz und Metall:

  • Bis zu 50% Zuschuss bei Grenzwertunterschreitung
  • Arbeitsschutz-Prämien für vorzeitige Umsetzung
  • Beratung kostenlos

7. Zukunftssichere Technologien

Industrie 4.0 Integration

IoT-Sensorik für vorausschauende Wartung:

  • Vibrationssensoren erkennen Lagerschäden 6 Monate früher
  • Drucksensoren melden Filterverschmutzung automatisch
  • Stromaufnahme-Monitoring zeigt Systemverschleiß

Digitale Dokumentation:

  • Wartungsprotokolle automatisch erstellt
  • Compliance-Nachweise jederzeit abrufbar
  • Integration in bestehende ERP-Systeme möglich

Nachhaltigkeits-Aspekte

Kreislaufwirtschaft:

  • Holzstaub als Brennstoff nutzen (4,5 kWh/kg)
  • Metallspäne sortenrein recyceln
  • Filter aus recycelbaren Materialien

CO₂-Bilanz verbessern:

  • Energieeffiziente Antriebe reduzieren Emissionen
  • Lokale Staubnutzung vermeidet Transportemissionen
  • Längere Anlagenlebensdauer durch bessere Wartung

Fazit: Investition in Sicherheit und Zukunft

Eine professionell geplante und installierte Absauganlage bietet:

Kurzfristige Vorteile:

  • Sofortige Grenzwerteinhaltung
  • Reduzierte Reinigungskosten
  • Verbesserte Arbeitsplatzbedingungen

Langfristige Vorteile:

  • Rechtssicherheit bei Kontrollen
  • Geringere Krankheitskosten
  • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit
  • Wertsteigerung der Betriebsimmobilie

Nächste Schritte:

  1. Kostenlose Bedarfsanalyse durchführen lassen
  2. Mindestens 3 Vergleichsangebote einholen
  3. Referenzen der Anbieter prüfen
  4. Wartungsvertrag von Anfang an mitplanen

Bei Fllux Shop erhalten Sie alle benötigten Komponenten in zertifizierter Qualität mit fachkundiger Beratung für Ihre individuelle Lösung.

Haben Sie Fragen zur Planung Ihrer Absauganlage? Unser Expertenteam berät Sie kostenlos und unverbindlich.

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